
Wahlzeit – Zeit der Phrasen und leeren Versprechungen
Der Mere-Exposure-Effekt beschreibt, dass Menschen Dinge positiver, vertrauter oder „normaler“ finden, je öfter sie ihnen begegnen, ohne sie bewusst zu prüfen oder inhaltlich gut finden zu müssen. Reine Wiederholung erzeugt Vertrautheit. Und Vertrautheit fühlt sich für das Gehirn wie Sicherheit an.
Auf den Bildern mit zahllosen Wahlplakaten sieht man das Prinzip in Reinform: Immer die gleichen Gesichter. Immer die gleichen Farben, Logos, Parolen. Immer wieder an Alltagsorten – auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen, an Haltestellen, an Kreuzungen. Oft nur im Vorbeigehen, unterbewusst, nebenbei.
Nicht die beste Idee setzt sich durch, sondern die am häufigsten wahrgenommene.
Viele Parteien – kaum ein disruptiver Ansatz
Genau deshalb sind Städte zugepflastert mit Gesichtern, Farben, Symbolen und Phrasen. Nicht um dich zu überzeugen – sondern um dein Gehirn zu trainieren, sie als Teil der Normalität abzuspeichern.
Und das ist auch der Grund, warum Propaganda so oft banal, simpel und platt ist: Sie muss nicht klug sein. Sie muss nur überall sein.
Das Gehirn lernt dabei nicht: „Das ist richtig.“ Es lernt: „Das kenne ich.“ Und „das kenne ich“ wird emotional schnell zu: „Das ist normal.“ Oder sogar: „Das ist irgendwie okay.“
Wichtige Punkte:
- Es wirkt auch dann, wenn man die Inhalte eigentlich ablehnt.
- Es wirkt auch bei flüchtigem Sehen (Sekundenbruchteile reichen).
- Es braucht keine Überzeugung, nur Wiederholung.
- Deshalb funktionieren Wahlplakate, Werbung, Slogans, Logos, Parolen, Narrative.
- Es ist keine Aufklärung, es ist psychologische Gewöhnung.
Der Mere-Exposure-Effekt ist im Kern die Antwort auf die Frage: Wie bringt man Menschen dazu, Dinge zu akzeptieren, ohne sie überzeugen zu müssen? Antwort: Indem man sie ihnen oft genug zeigt.
Propaganda funktioniert nicht, weil sie klug ist, sondern weil sie überall ist. Gewöhnung ist mitunter die effektivste Form von Herrschaft.




