
Vorweg:
Diese mehrteilige Abhandlung soll mit dem Missverständnis aufräumen, beim (Rechts-) Libertarismus würde es sich nur um eine verschärfte Form des Liberalismus handeln, der mit Turbokapitalismus und Globalisierung zu assoziierten, ja gleichzusetzen sei.
Egal ob eine bewusste Verdrehung seitens der Vertreter eines multikulturellen Egalitarismus vorliegt oder ob aus Unwissen alles über einen Kamm geschert wird: Mit beidem soll hier aufgeräumt werden.
Fehlurteil: Libertäre sind wie ‘ moderne‘ Liberale Anhänger der multikulturellen Gesellschaft und vertreten ein egalitäres Gesellschaftsmodell.
Demokratie – der heilige Gral der angestaubten Liberalen
Für die ‘neoklassischen’ Liberalen, also die zeitgeisthörigen Pseudo-Liberalen, die in den USA ganz offen der Linken zugerechnet werden, ist die demokratische Teilhabe aller Bürger so etwas wie der heilige Gral der Volksherrschaft bzw. das Kronjuwel jedes Bürgers mit der Chance, sich in den demokratischen Willensbildungsprozess der „Gesellschaft“ einzubringen!
Der “ausländische Mitbürger” der pseudo-demokratischen Liberalen
Problematisch ist hier bereits die meist unscharfe, angeblich liberale Fassung des Begriffes „Bürger“. Unter Bürger wird aus pseudo-liberaler Sicht nicht nur der Staatsbürger subsumiert, den es aus libertär-„staatsfeindlicher“ Sicht am besten gar nicht geben sollte, sondern in bewusster Begriffsverwaschung wird von linksliberaler Seite einangeblicher ‚ausländischer Mitbürger‘ zur semantischen Integration imaginiert, der aufenthaltsrechtlich nur ein Einwohner ist, aus libertärer Sicht aber ein Nicht-„Bürgerkunde“ und Nicht-Ansässiger sein sollte, der zwar in der Privatstadt, im staatsfreien Territorium arbeiten darf, ansonsten aber keinerlei Bürgerrechte genießt und das entstaatlichte Gebiet nach jeweils getaner Arbeit tunlichst wieder verlassen sollte.
Die multikulturelle Post-Gesellschaft der Liberalen
Der laue Liberale des 19. und 20. Jahrhunderts glaubt immer noch an die „Gesellschaft der Bürger“, der gleichberechtigten und egalitären Individuen, die beseelt vom staatlichen Gemeinwesen die demokratischen Freiheitsideale und die Staatsverfassung hochleben lassen. In diesem naiven egalitären Glauben reichen sich der angestaubte Liberale und der Sozialist im Geiste die Hände – fixiert auf eine Illusion! Denn die Gesellschaft, von der beide träumten und auch heute immer noch imaginieren, gibt es nicht mehr – wenn es eine Nation in ihrem monolithischen Ideal überhaupt jemals gab. Im Hier und Jetzt ist die völlig multiethnisch zersiedelte und gänzlich fragmentierte angebliche „multikulturelle Gesellschaft“ allenfalls eine Post-Gesellschaft, bei Lichte betrachtet eine Nicht-Gesellschaft. Der „Zusammenhalt der Gesellschaft“ bzw. die gesellschaftliche Solidarität in einem volklich und rassisch völlig fragmentierten Staatsgebilde wie der bunten Republik ist ein realitätsresistenter feuchter Traum vom weltbürgerlichen Sozialismus bzw. ein kosmopolitisches Schilda liberaler Phantasten.
Libertäre Zuflucht in der (stillen) Sezession
Der lau-naiv angestaubte Liberale des alten Jahrtausends träumt nach wie vor von der demokratisch aktiven Bürgergesellschaft und den hehren Prinzipien des Verfassungsstaates, während der Libertäre im Hier und Jetzt sich angewidert von einem anmaßenden hyperinterventionistischen und fiskalfaschitischen Staatsgebilde im Geiste des Leviathan abwendet und vor der erforderlichen geographischen Sezession vom noch real existierenden Zwangs-„Gemeinwesen“ die Flucht zur stillen geistigen Sezession nimmt.
Er tut dies, in dem er seine Kinder nicht auf staatliche Schulen schickt, keine staatlichen Leistungen in Anspruch nimmt und nach Möglichkeit den „Staazis“ nur die unvermeidlichen Steuergroschen in den gierigen Abgabenrachen wirft. Er verwendet das staatsmonopolistische Geld nur zur Begleichung laufender Zahlungsverpflichtungen, legt seine Zahlungsmittelüberschüsse aber in Edelmetallen bzw. Bicoin&Co. sowie in Aktien an.
Im Geist hat er mit „Staat&Nation“ längst abgeschlossen, sieht sich als geschröpftes Opfer in einem staatlichen Sklavenhaltersystem und will nur noch eines: raus aus einem System, das er zutiefst ablehnt – egal wie!
Das kann ein anderer Wohnsitz, eine andere Staatsbürgerschaft oder am besten gleich eine Freihandelszone bzw. Steuerparadies sein – Hauptsache weg von den räuberischen staatlichen Wegelagerern des Hier und Jetzt!
Libertäre Bollwerke gegen den Staat: Familie, Gemeinde, Kirche
Am Horizont sieht der Libertäre die Morgenröte freiwilliger Zusammenschlüsse von Individuen mit vollständiger wirtschaftlicher Freiheit in Privatstädten – Sezessionen von der aktuell bevormundenden Gebietskörperschaft und Zersplitterung des bisherigen staatlichen Ungetüms sind herzlich willkommen!
Alles was dem aktuellen Staatsgebilde Macht und Einfluss entzieht, ist gut!
Gleichgesinnte Freunde, die Familie, die Glaubensgemeinschaft sind Bollwerke gegen das Krebsgeschwür des universellen, überbordenden Wohlfahrtsstaates mit seiner anmaßenden Gleichheitsdoktrin.
Vorstufe zur libertären Sezession: Gated Communities
Der erste praktische Schritt zur Autonomie des souveränen Individuums wären die Gated Communities wie es sie vor allem in freiheitlichen Gemeinwesen des nordamerikanischen Kontinents vermehrt seit 1970 gibt.
Buntland wittert schon beim Zusammenschluss mehrere „rechter“ Familien zu einer kleinen Wohnsiedlung eine Verschwörung gegen die bunte Republik und insinuiert demokratiefeindliche Umsturzpläne. „Aber das ist ein weites Feld.“ (Theodor Fontane in „Effi Briest“)




