Die Biologin Mathilda Huss beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Populationsgenetik (BQ: Pluriversum)

Der Skandal um Jason Arday ist das System der Gleichstellung

Der Arday-Fall ist kein bloßer Personal- oder Universitätsskandal. Es geht nicht nur darum, dass die Universität Cambridge einen Wissenschaftler berief, dessen Arbeit später von gravierenden Plagiats- und Falschdarstellungsvorwürfen überschattet wurde. Der sichtbare Skandal ist nur das Symptom.

Cambridge machte aus Jason Arday nicht einfach einen Professor, sondern den „jüngsten schwarzen Professor“, einen historischen Durchbruch, einen Posterboy der eigenen moralischen Modernität. Seine Gruppenidentität als Schwarzer war nicht nebensächlich, sondern Teil des institutionellen Prestiges seiner Berufung. Cambridge konnte sich damit brüsten, rassische Schranken überwunden zu haben. Ardays Professur wurde zum Zeichen einer angeblich gerechteren Repräsentation jener ethnischen Gruppen, aus denen das heutige Großbritannien besteht. Die Zusammensetzung der Universität sollte zum Beweis ihrer Gerechtigkeit werden: Ergebnisgleichheit sollte Chancengleichheit beglaubigen.

Die Zerstörung der Elite

Der naheliegendste Einwand ist bereits vernichtend: Damit wird der Zweck einer Eliteuniversität verkehrt. Eine Eliteuniversität ist kein Parlament und kein demographisches Abbild der Bevölkerung. Sie ist auch keine Bühne, auf der gesellschaftliche Gruppen proportional repräsentiert werden sollen. Ihre Aufgabe besteht gerade darin, extreme Leistungsspitzen zu erkennen, auszuwählen, auszubilden und zusammenzuführen.

Cambridge, MIT oder Harvard sind wertvoll, weil sie nicht den Durchschnitt repräsentieren. Sie sollen jene wenigen zusammenbringen, die in bestimmten Bereichen zu den Besten der Besten gehören, und dadurch ein Milieu schaffen, in dem schneller gedacht, anspruchsvoller gelehrt und tiefer geforscht werden kann als anderswo. Der hohe Selektionsdruck ist kein bedauerlicher Nebeneffekt solcher Institutionen, sondern ihr Sinn.

Wird dieser Selektionsstandard politischen Repräsentationszielen untergeordnet, verliert deshalb nicht nur die Universität an Qualität. Eine hochentwickelte Industrie- und Wissensgesellschaft beschädigt ihr wichtigstes Kapital: Humankapital – Intelligenz, technische Fähigkeit, Urteilskraft, Wissen, Forschung, Erfindung und Führung. Eine rohstoffarme, komplexe Nation lebt davon. Unsere Zivilisation lebt davon. Ihre technische, wissenschaftliche und institutionelle Überlegenheit fällt nicht vom Himmel; sie muss in jeder Generation neu hervorgebracht werden. Unsere Identität als westlich zivilisierte Welt beruht auf der lebendigen Anpassung unseres Wissens, Gewissens und kollektiven Bewusstseins. Gerade hochselektive Universitäten sind dafür Keimzellen, weil dort vorhandene Begabung auf vorhandenes Wissen trifft und beides auf höchstem Niveau weiterentwickelt wird.

Wer diese Institutionen zwingt, ihre Auswahl nicht mehr kompromisslos an ihrer Funktion auszurichten, beschädigt deshalb nicht irgendein elitäres Privileg. Er greift jene Voraussetzungen an, unter denen eine komplexe Zivilisation überhaupt fortbesteht.

DEI: Gleichmacherei soll Ungleichheit gleich machen

Diversity, Equity and Inclusion bedeutet nicht bloß gleiche Rechte. Es bedeutet die aktive Steuerung von Zugang, Repräsentation und Ergebnissen nach Gruppenmerkmalen. Der entscheidende Bruch liegt bei Equity: Nicht mehr dieselben Regeln für alle, sondern unterschiedliche Behandlung, damit Unterschiede zwischen Gruppen geringer werden.

Damit wird aus dem liberalen Satz, Herkunft solle für die Bewertung eines Menschen keine Rolle spielen, schrittweise sein Gegenteil: Herkunft muss gerade berücksichtigt werden, solange die Ergebnisse nicht den gewünschten Verteilungen entsprechen.

Natürlich kann man zunächst sagen, dass Zulassungen, Benotungen oder Einstellungen nach ethnischen Kriterien die Selektionsfunktion einer Universität beschädigen. Das ist richtig, trifft aber noch nicht den Kern. Denn DEI ist nicht bloß gewöhnliche politische Manipulation eines unerwünschten Ergebnisses. Es handelt sich nicht einfach darum, dass Verantwortliche eine Statistik schönen wollen. Die Korrektur des Ergebnisses wird selbst zum moralischen Gebot erhoben. Die Zusammensetzung einer Institution wird nicht mehr als Folge ihrer Funktion betrachtet, sondern als eigenständiges Gerechtigkeitskriterium. Genau darin liegt der qualitative Sprung.

Die Konservativen sind schuld: Sie bekämpfen die Folgen, statt der zwingenden Prämisse

Von konservativer Seite wird seit Jahrzehnten gegen Quoten argumentiert, seien es Frauenquoten, ethnische Quoten oder Quoten für andere politisch definierte Gruppen. Das greift zu kurz. Es geht am fundamentalen Problem vorbei. Denn DEI stellt nicht zuerst die Frage, ob eine Institution ihre Aufgabe erfüllt, sondern ob ihre personelle Zusammensetzung den erwarteten Gruppenverhältnissen entspricht.

Ist die Elite nicht „divers“ genug, wird die Verteilung selbst zum Verdachtsmoment. Dann gilt Unterrepräsentation nicht als erklärungsbedürftige Beobachtung, sondern als Hinweis auf mangelnde Equity; und aus dieser Diagnose folgen beinahe zwangsläufig Maßnahmen der Inclusion: gezielte Förderung, Sonderprogramme, Präferenzen, Zielwerte, Quoten.

Die konservative Kritik bleibt dieser Logik unterlegen, weil sie deren entscheidende Prämisse stehen lässt: Dauerhafte statistische Unterschiede zwischen Gruppen dürfen nicht aus unterschiedlichen Präferenzen, Kulturen, Lebensformen, Selektionsprozessen oder biologischen Faktoren hervorgehen. Sind solche Erklärungen prinzipiell ausgeschlossen, bleibt für ungleiche Ergebnisse nur eine diskriminierende Institution.

Damit ist der größte Teil des Arguments bereits entschieden. Man bestreitet dann zwar die Quote, hat aber die Theorie akzeptiert, aus der sie folgt. Konservative stellen die Frage nach der Bedeutung Ihrer Institution nicht gründlich.

Diskriminierung im Namen der Gleichmachung

Alle weiteren Folgen ergeben sich beinahe zwangsläufig. Am Anfang steht ein universaler Grundsatz: Jeder Mensch soll unabhängig von seiner Gruppe beurteilt werden. Privilegien werden abgeschafft, Diskriminierung verboten, gleiche Regeln gefordert. Dann stellt man jedoch fest, dass unterschiedliche Gruppen auch unter gleichen Regeln trotzdem unterschiedlich erfolgreich sind. Und nun beginnt die Umkehrung.

Wenn die Unterschiede selbst nicht hinnehmbar sind, müssen die ursprünglich universalen Werte – Gleichheit, Nichtdiskriminierung, Toleranz – partikular durchgesetzt oder aufgegeben werden. Die Ausgangsgruppen bleiben identisch, nur werden jetzt die wenig erfolgreiche positiv diskriminiert, die erfolgreichen benachteiligt, damit am Ende jene Gleichheit entsteht, die sich unter Chancengleichheit gerade nicht entwickelt.

Und genau damit kippt die Gleichheitsforderung in Gleichstellungspolitik. Gleichheitsideologie führt zwangsläufig zu Gleichstellungspolitik die Diskriminierung unter umgekehrtem Vorzeichen ist. Man bekämpft Rassendenken, indem man es institutionalisiert. Das ist der innere Widerspruch. Und innerhalb des Gleichheitsparadigmas ist er nicht vermeidbar. Wenn Unterschiede nicht aus den Gruppen selbst kommen dürfen, müssen sie durch Diskriminierung erzeugt worden sein. Dann muss der Staat korrigieren.

Rasse soll politisch bedeutungslos werden, indem sie administrativ permanent erfasst und politisch berücksichtigt wird. Diskriminierung soll verschwinden, indem neue Diskriminierungen eingeführt werden. Man bekämpft Gruppendenken, indem man jede Institution zwingt, ihre Mitglieder nach Gruppen zu zählen.

Man will Rassendenken abschaffen und macht es zur Verwaltungsgrundlage.

Das ist nicht einfach eine gelegentliche Übertreibung der Gleichstellungspolitik. Es folgt aus ihrem Ausgangspunkt. Wenn unterschiedliche Ergebnisse nicht aus unterschiedlichen Ursachen auf Seiten der Gruppen entstehen dürfen, muss die Ursache außerhalb liegen. Dann muss korrigiert werden. Die innere Logik fordert den staatlichen Eingriff. Innerhalb dieses Paradigmas sind die radikalen Gleichsteller konsequenter als ihre konservativen Gegner.

Die Forderungen der Institution nach Excellenz wird zu strukturellem Rassismus erklärt. Die Kategorien selbst werden als rassistisch gebrandmarkt: „math is racist“

Herabsetzung durch Paternalismus

Die perverseste Folge dieser Politik trifft ausgerechnet jene, denen sie angeblich helfen soll.

Privat diskriminiert nämlich in Folge trotzdem jeder. Wahrscheinlich sogar mehr als in einer Gesellschaft, die Unterschiede offen anerkennt. Affirmative Action erzeugt Misstrauen, weil sie den Aussagewert institutioneller Auswahl beschädigt. Sobald bekannt ist, dass Menschen verschiedener Gruppen möglicherweise nach unterschiedlichen Kriterien aufgenommen, eingestellt oder benotet werden, kann von außen niemand mehr wissen, welcher einzelne Kandidat denselben Platz auch unter einem einheitlichen Maßstab erhalten hätte.

Gerade die hervorragendsten Angehörigen der bevorzugten Gruppe zahlen deshalb eine Reputationssteuer. Wer keinerlei Sonderbehandlung benötigt hätte, gerät dennoch unter deren Verdacht. Eine Politik, die Anerkennung schaffen soll, beschädigt damit die Voraussetzung echter Anerkennung: die Gewissheit, dass die Leistung nach denselben Maßstäben bewertet wurde.

Das System, das Schwarzen, Neurodiversen oder anderen als benachteiligt definierten Gruppen helfen soll, untergräbt das Vertrauen in ihre individuelle Leistung.

Das ist keine Aufwertung. Es ist paternalistische Herabsetzung.

Darin liegt die eigentliche Herabsetzung. Er behandelt erwachsene Menschen nicht als Träger derselben Ansprüche und derselben Zumutungen, sondern als Schutzbefohlene, denen der allgemeine Standard nicht ohne Weiteres abverlangt werden könne. Die Hilfe enthält bereits das Misstrauensvotum, das sie anschließend anderen verbieten möchte.

So wird aus Inklusion neue Segregation. Nicht weil Angehörige einer bestimmten Gruppe weniger leisten könnten, sondern weil das System selbst dafür sorgt, dass Gruppenzugehörigkeit wieder zur relevanten Information über einen Abschluss, eine Stelle oder eine Karriere wird. Wo Zertifikate nicht mehr zweifelsfrei dasselbe bedeuten, zerstört die Institution das Vertrauen, das sie anschließend moralisch einfordert.

Race Realism: Unterschied ohne Schuld

Race Realism bedeutet nicht, jedes Individuum aus seinem Gruppendurchschnitt abzuleiten. Er bedeutet, reale Populationsunterschiede nicht deshalb für unmöglich zu erklären, weil ihre Existenz moralisch unerwünscht ist, und biologische Ursachen nicht aus politischen Gründen aus dem Bereich des Denkbaren auszuschließen.

Gleichheit vor dem Recht ist nicht Gleichheit statistischer Verteilungen.

Damit trifft Nathan Cofnas den eigentlichen Nerv der gesamten Debatte. Solange vorausgesetzt wird, dass sämtliche relevanten Gruppen dieselben Verteilungen ihrer Eigenschaften hervorbringen müssten, wird jede dauerhafte Ungleichverteilung automatisch zum politischen Beweisstück. Wenn nach Jahrzehnten von Intervention weiterhin unterschiedliche Bildungsabschlüsse, Einkommen, Berufswahlen oder akademische Repräsentationen bestehen, darf die Differenz nicht einfach Unterschied sein. Irgendjemand muss sie verursacht haben. Dann folgen die bekannten Täterbegriffe: Diskriminierung, „Struktur“, institutioneller Rassismus, Privileg.

Gerade deshalb muss Race Denial konfliktverschärfend wirken. Wenn gleiche Gruppenresultate als natürlicher Sollzustand vorausgesetzt werden, bekommt jede fortbestehende Ungleichheit automatisch einen Schuldigen.

Die Ungleichheit bleibt ohnehin. Nur die Schuldfrage wird verschärft.

Wo Unterschiede nicht als Folge verschiedener Ursachen anerkannt werden dürfen, müssen sie immer wieder moralisch zugerechnet werden. Jede Statistik verlangt dann einen Täter. Race Realism nimmt der bloßen statistischen Differenz diesen automatischen Schuldcharakter. Er erlaubt, Unterschiede zunächst als Tatsachen zu untersuchen, statt sie vor jeder Untersuchung bereits als Anklageschrift zu lesen.

Zum übergriffigen Staat

Aus der Forderung nach Gleichstellung folgt zwangsläufig der übergriffige Staat.

Er bestimmt zunehmend, welche Unterschiede noch erfasst, wahrgenommen und gedacht werden dürfen.

Der politische Zwang zur Gleichstellung bleibt nicht an den Türen von Universitäten oder Behörden stehen. Er frisst sich zwangsläufig in immer weitere Bereiche des Lebens hinein – zuletzt in das Private selbst.

Solange der Staat gleiche Rechte garantiert, kann er Grenzen seiner Zuständigkeit anerkennen. Sobald er aber gleiche oder politisch gewünschte Gruppenresultate herstellen soll, kann er sich diese Zurückhaltung kaum noch leisten. Denn gesellschaftliche Ergebnisse entstehen nicht erst bei der Bewerbung um eine Professur. Sie entstehen Jahre und Jahrzehnte vorher: in Familie, Erziehung, Begabung, Partnerwahl, Kultur, Wohnort, Freundeskreisen, Berufswahl, Risikobereitschaft, Arbeitszeit, Sprache und Lebensführung.

Wer die Ergebnisse angleichen will, muss deshalb in ihre Ursachen eingreifen.

Aus Antidiskriminierung wird Ergebnissteuerung; aus Ergebnissteuerung werden Bildungs-, Personal-, Familien-, Sprach- und Kulturpolitik. Was zunächst wie die Korrektur einzelner Benachteiligungen erscheint, entwickelt eine eigene Logik der Ausdehnung: Je tiefer die Ursachen gesellschaftlicher Unterschiede liegen, desto tiefer muss der Staat eingreifen, wenn er ihre Ergebnisse beseitigen will.

Am Ende schützt er nicht mehr bloß den Raum, in dem Menschen frei verschieden werden können. Er entscheidet zunehmend darüber, welche Verschiedenheit als legitim gelten darf und welche politisch korrigiert werden muss.

Zum Ende der Freiheit, zu werden, was man ist und zum Zwang zur Anpassung

Damit geht eine noch fundamentalere Freiheit verloren: die Freiheit, zu werden, was man ist.

Menschen und Gemeinschaften müssen verschieden sein dürfen – in ihren Begabungen, Prioritäten, Loyalitäten, Werten und Lebensformen. Freiheit besteht nicht nur darin, zwischen staatlich anerkannten Optionen wählen zu dürfen. Sie besteht auch darin, neue Optionen zu setzen, neue Kategorien zu setzen, Unterschiede entstehen zu lassen, ohne dass jedes dauerhafte Gefälle sofort unter politischen Rechtfertigungszwang gerät.

Universalismus wird deshalb dort übergriffig, wo aus dem vernünftigen Satz, alle Menschen besäßen gleiche Würde, ein völlig anderer Satz gemacht wird: Alle Menschen und Gemeinschaften müssten dieselben Werte teilen, dieselbe institutionelle Zusammensetzung hervorbringen und möglichst dieselben Ergebnisse erzielen.

Dann ist Universalismus nicht mehr die Grenze politischer Macht, sondern ihre Ermächtigung. Universalismus wird damit zur ermächtigung der Mächtigen. Ihre linken neurechten Handlanger merken es nicht einmal.  Universalismus schützt Verschiedenheit nicht, sondern beginnt, sie auf ein einheitliches Sollmaß zurückzuführen.

Aus der Freiheit verschiedener Lebensformen wird die Pflicht zur moralisch genehmigten Ähnlichkeit.

Universalismus mit all seiner Toleranz schützt Verschiedenheit nicht, sondern vernichtet sie durch Homogenisierung.

Das Ende der freien Rede

Diese Logik bedroht Redefreiheit und Wissenschaft. Forschung über Genetik, Populationen, Intelligenz, Kultur oder Familie ist dann nicht mehr bloß wahr oder falsch. Sie gilt als politisch gefährlich.

Wenn fortbestehende Gruppenunterschiede moralisch illegitim sein müssen, wird deren natürliche Feststellung gefährlich. Forschung über Genetik, Populationen, Intelligenz, Kultur oder Familie ist dann nicht mehr nur nach ihrer empirischen Qualität zu beurteilen. Sie erhält einen zweiten Maßstab: ihre politische Erwünschtheit.

Genau hier wird der Fall Cofnas entscheidend. Wer bereits die Untersuchung bestimmter Hypothesen für moralisch unzulässig erklärt, hat die Grenze wissenschaftlicher Auseinandersetzung verlassen. Eine Hypothese wird nicht widerlegt, sondern moralisch sanktioniert. Kritik an einer DEI-Berufung lässt sich entsprechend vom Sachargument zum Angriff auf eine Gruppe umdefinieren. Sobald Wahrheitsfragen in Schadensfragen übersetzt werden, entsteht Zensur. Sie wird funktional.

Denn ein System, dessen moralische Legitimität von bestimmten Erklärungen gesellschaftlicher Unterschiede abhängt, kann gegenüber konkurrierenden Erklärungen niemals indifferent sein.

Wo Wahrheit nur noch erlaubt ist, wenn sie politisch nützlich ist, endet Wissenschaft.

Elitenherrschaft durch moralisierende Kostgänger

Darüber liegt schließlich die paretianische Elitenfrage. Jede Gesellschaft besitzt Eliten. Entscheidend ist nicht, ob sie existieren, sondern wie sie ihre Macht legitimieren, reproduzieren und gegen Konkurrenz absichern.

DEI verschafft einer akademisch-administrativen Elite eine außerordentlich wirksame Legitimation. Sie verwaltet nicht mehr einfach Universitäten, Behörden, Personal oder Fördermittel. Sie verwaltet „Gerechtigkeit“. Damit werden Verwaltungsentscheidungen moralisch aufgeladen und politische Interessen in Tugendbegriffe übersetzt.

Sie definiert die Ungleichheit, verwaltet ihre Korrektur und erklärt das Scheitern der Korrektur zum Beweis dafür, dass noch mehr Korrektur notwendig sei.

Die Kosten trägt die produktive Mitte. Macht und moralische Definitionshoheit sammeln sich oben.

Aus dieser Ordnung entstehen neue Beauftragte, Berater, Förderprogramme, Berichtssysteme, Compliance-Strukturen und Kontrollfunktionen. Jede festgestellte Ungleichheit erweitert ihren Zuständigkeitsbereich; jedes Ausbleiben der versprochenen Gleichstellung beweist, dass die bisherigen Maßnahmen noch nicht ausgereicht hätten.

Die Elite erhält eine Armee aus moralischen Kontrollinstanzen und ungeheuer viel Macht. Probleme werden verwaltet, deren Fortbestehen wiederum ihre eigene Notwendigkeit beweist.

So entsteht ein beinahe perfekter Selbsterhaltungsmechanismus: Die Elite definiert das Problem, misst das Problem, verwaltet seine Korrektur und deutet das Fortbestehen des Problems als Beweis dafür, dass sie noch mehr Macht und Mittel benötigt. Die Kosten trägt wesentlich die produktive Mitte; administrative Macht und moralische Definitionshoheit konzentrieren sich dort, wo bereits institutionelle Macht vorhanden ist.

Dekadenz und Verfall

Der Arday-Fall steht damit für eine ganze Kette. Aus dem berechtigten Satz gleicher Würde wird die Forderung nach gleichen Gruppenresultaten. Aus dieser Forderung entstehen Quoten und politisierte Auswahl. Aus Quoten werden unterschiedliche Standards. Wo die Funktion einer Institution hinter ihrer demographischen Zusammensetzung zurücktreten muss, werden Standards aufgehoben. Standards, gruppenabhängig einmal verloren, verursachen Misstrauen, Reputations- und sogar Funktions-verlust. Wo Auswahl und Passung beschädigt werden, leiden Individuen ebenso wie Institutionen. Aus Qualitätsverlust folgt der Niedergang jener Institutionen, von deren Leistungsfähigkeit eine komplexe Zivilisation abhängt.

Und weil selbst massive politische Intervention die Unterschiede zwischen Gruppen niemals beseitigt, endet die Intervention nie. Die ewige Differenz wird zum Beweis weiterer Diskriminierung, weitere Diskriminierung rechtfertigt weitere Eingriffe, und jeder Eingriff erweitert wiederum den Bereich, den Politik und Verwaltung kontrollieren müssen.

Eine Zivilisation die ihre Institutionen nicht mehr danach beurteilt, ob sie ihre Aufgabe erfüllen, sondern danach, ob einer politischen Ideologie entsprechen – geht unter.

Das ist der eigentliche Verfall: Verliert eine Zivilisation Verständnis für die Funktion ihrer eigenen Institutionen, gibt Ihre eigenen Identität preis. Eine Eliteuniversität wird nicht mehr danach beurteilt, ob sie die Besten findet und hervorragende Wissenschaft hervorbringt, sondern danach, ob sie einem politischen Ideal genügt. Freie Forschung wird unter moralischen Vorbehalt gestellt; die Freiheit verschiedener Lebensformen einem universalistischen Gleichheitsanspruch unterworfen.

Eine solche Gesellschaft verliert nicht einfach Effizienz. Sie greift jene Mechanismen an, durch die sie Wissen erzeugt, Kompetenz auswählt, Wahrheit prüft und ihre eigene Zukunft hervorbringt.

Dann wird Funktion der Repräsentation geopfert, Leistung der Gleichstellung, Wahrheit der Moral und Freiheit der Kontrolle.

Eine Zivilisation, die ihre Spitzeninstitutionen absichtlich schwächt, zerstört nicht irgendein Privileg. Sie zerstört ihre eigenen Voraussetzungen.