
Rechtsfeminismus – ein neues Phänomen
In den letzten Wochen hat sich aufgrund erneut entflammter Kontroversen um den sog. Rechtsfeminismus und den damit verflochtenen Streit um die weltanschauliche Substanz des neurechten Lagers eine erneute Frontenerhärtung (besonders infolge eines niveaulos bashenden Streams eines hörbar simpifizierten sog. „Michels“) ereignet zwischen modernistisch-emanzipationsoffener und traditionalistisch-katholischer Lagerseite, die sich in dieser Thematik mehr mit der rechtslibertären Manosphere überlappt als mit dem „rechtsfeministischen“[1] Flügel unter lukretistischer Führung. Die rechte Frauenbewegung Lukreta erwählte zu ihrem Namenspatron nicht den römischen Dichter Lukrez, sondern eine emanzipierte und hochleistungsfähige Frauenfigur namens Caroline Lucretia Herschel (1750–1848).[2] Der Name könnte gleichsam auf die antike Gestalt der Lucretia anspielen, die nach der Überlieferung von Livius wegen einer Vergewaltigung Selbstmord beging und deren Tod den Sturz der Königsherrschaft in Rom auslöste. Diese Deutung würde eine symbolische Aufladung im Sinne von „Rache“ oder Widerstand gegen (ausschließlich von Ausländern begangene?) männliche Gewalt nahelegen, was zur energischen Frauenrechtsrhetorik der Gruppe passen könnte. Das Changieren zwischen exklusiv linksfeministischen Topoi wie antipatriarchalem Furor und der selektiven Verteidigung von Frauen durch von Fremdländern begangene Sexual- und Gewaltdelikte sowie die dadurch verursachte Verunsicherung (besonders freizügig gekleideter) Frauen im öffentlichen Raum folgt womöglich kalkulierter Strategie. Doch auch die Dichterphilosophie des Lukrez mit ihrem materialistischen Atomismus, dem aufklärerischen Ziel den Leser von Furcht vor den Göttern, vom Aberglauben und von der Todesangst durch eine naturalistisch-mechanistische Welterklärung[3] zu befreien[4], fügte sich harmonisch in den unreflektierten Modernismus und Anti-Traditionshaltung der Rechtsfeministinnen, denen dabei von wenigen lüsternen männlich-feministischen Simps recht unklassisch der Hof gemacht wird, die dabei in bornierter Weise vergessen, dass Lust (voluptas) für ihre unbewussten weltanschaulichen Stichwortgeber Epikur und Lukrez nicht der sinnliche Exzess, sondern das Fehlen von Schmerz und seelischer Unruhe als das Kriterium des Guten, nur soweit sie vernünftig gewählt und begrenzt wird, ist.
Da in dieser steten Auseinandersetzung und Reibung im rechten Lager über die Geschlechterfrage, die sich besonders in den Personalien Reinhild Boßdorf und dem notorischen Ex-Dating-Coach und polemisch veranlagten Tradi-Tweeter Lukas Courtial[5] humoristisch in beinahe herzzerschmelzenden Memes zuspitzt und der nicht nur aufgrund der fliegenden Verbalfetzen oftmals an der weltanschaulichen respektive theologischen Substanz fehlt, soll diese hier auf diesem Forum nachgeschoben werden in der naiven Hoffnung, dass der durchschnittliche Medienkonsument noch einen längeren Text zu lesen imstande ist. Vorab sei noch angemerkt gegenüber voreiligen Atheisten und übereifrigen Dissidenten, dass hier nicht der Wahrheitserweis der christlichen Weltsicht geleistet werden kann und soll.
I. Metaphysische und theologische Grundlegung
Die Geschichte der christlichen Kirche vereint sowohl erstaunliche Anpassung wie starre Intransigenz, die Fähigkeit zu männlichstem Widerstand und weiblicher Nachgiebigkeit, Hochmut und Demut in seltsamer Mischung, bringt somit weibliche und männliche Eigenschaften zu einer übervernünftigen Einheit.[6] Die Grundlage eines christlichen Verständnisses von Geschlecht und Rolle muss in einem klaren metaphysischen und erkenntnistheoretischen Fundament gesucht werden. Wahrheit ist demnach nicht durch autonome philosophische Spekulation, sondern nur durch göttliche Offenbarung erkennbar, wobei die Philosophie lediglich als Hilfsmittel der Theologie dienen kann. Das orthodoxe Seinsverständnis gründet im dreieinigen Gott (Trinitarische Dreieinigkeit von Vater, Sohn, Heiliger Geist), der als ewige, personale Gemeinschaft jenseits von Zeit und Raum existiert und das gesamte Sein fundiert. Im Gegensatz zu heidnischen Weltbildern ist die Schöpfung ein einmaliger Akt aus Liebe und keine zyklische Wiederholung eines immergleichen Prozesses.
Die orthodoxe Theologie postuliert eine lineare und teleologische Eschatologie, was bedeutet, dass alles erschaffene Sein Anfang und Ziel in Gott hat. Die Geschichte ist auf die einzigartige Vollendung und Vervollkommnung der Schöpfung hin ausgerichtet, wodurch eine Wiederkehr des Immergleichen ontologisch ausgeschlossen ist. Die Existenz des Menschen bewegt sich geschichtlich von „Alpha“ bis „Omega“. Christus hat durch seinen Eintritt in die Weltgeschichte die gefallene Zeit erneuert, die durch den Sündenfall in endloses Leid und Tod pervertiert wurde. Dieser Eingriff stellt eine harte Zäsur – den Kairos – in die gefallene Wirklichkeit dar und fordert die Menschen zur Entscheidung auf, zur Trennung von der gefallenen Welt und zur Wiedervereinigung mit ihrem Schöpfer. Im Eschaton (der letzten Zeit) wird die Welt auf das Gericht und die Erlösung hin ausgerichtet, bevor diese Welt zerstört und in eine neue Ewigkeit auferrichtet wird, die im Übrigen weniger als statisches Nunc stans denn als dynamische Abfolge von Äonen, die ein graduelles Wachsen in der restaurierten Schöpfungswirklichkeit ermöglichen. Die Anerkennung des Patriarchats wird in dieser geschaffenen Seinsordnung als christliche Struktur der personalen Wirklichkeit der Welt verstanden, abgeleitet aus der Lehre von der Monarchie des Gott Vaters.
II. Christliche Anthropologie und der gefallene Zustand
Der Mensch wird in der christlichen Anthropologie als mehr denn Natur, nämlich als Geist-Seele-Leibwesen verstanden. Er ist das animal rationale, ein geistbegabtes Mängelwesen Mensch, ausgestattet mit Willensfreiheit und Vernunftfähigkeit, die ihn über die instinktgetriebenen Tiere erhebt. Die menschliche Natur wird als psychosomatische und wechselseitig durchdrungene Einheit aus Geist (Nous), Seele und Leib beschrieben. Der Geist (Nous) ist die Vernunftbegabung, über die der Mensch mit Gott Kontakt aufnimmt und denkt. Die Seele ist die willentliche und empfindende Triebnatur (Thymos, Pathos). Der Leib, der physischen Welt verhaftet, ist zugleich der Tempel des Geistes. Das Herz dient hierbei als das Zentrum dieser Einheit und in der Asketik als der Ort der Gotteserfahrung, wo Gott durch das Auge des Herzens (Nous) erfahrbar wird.
Allerdings ist die gesamte Schöpfung dem gefallenen Zustand unterworfen: Die Natur ist hostil und gefährlich, charakterisiert durch den eiskalten Kampf von Leben und Tod, zugleich wohnt ihr vermittelt über die göttlichen Energien noch das Gute inne als einer Hervorbringung der Schöpfung. Jede menschliche und tierische Krankheit, auch jede Zerfallserscheinung der umweltliche Natur, ist eine seinsmäßige Folge des Sündenfalls. Ohne moral-ontologische Kategorien wie Gut und Böse, die den Sündenfall miteinbeziehen, ist es unmöglich, die gefallene von der guten Natur zu unterscheiden oder eine kohärente Sozialethik zu begründen. Ein gesunder Mensch ist demnach gar nicht handlungsfähig, ohne implizit moralische Kategorien anzunehmen, da er Ungerechtigkeit als böse und grausam empfinden muss aufgrund der Eingeschriebenheit des göttlichen Gesetzes in sein Herz, seines Gewissens. Aufgrund dieses gefallenen Zustands befinden sich sowohl Männlichkeit als auch Weiblichkeit in der Krise. Diese Krise resultiert insbesondere aus einem Mangel an Demut und Wahrheitsliebe, der beide Geschlechter betrifft.
III. Die Archetypen in ihrem göttlichen Auftrag
Das geordnete Geschlechterverhältnis basiert auf komplementären Archetypen, die eher Spektren als unveränderlich festgezurrte Normen und Typen darstellen. Das männliche Prinzip ist dazu berufen, Führung zu übernehmen, die aus der Wahrheit gerechtfertigt wird. Der Mann vermittelt die Gottesbeziehung in die Vertikale. Seine Rolle erfordert die rationale Welterklärung und die Vermittlung der Wahrheitskonfrontation an Frauen, Kinder und Untergebene – nicht Unterworfene! Zudem obliegt ihm die Seelenführerschaft gegenüber der Frau. Diese Führungsrolle kann auch eine zuweilen notwendige Härte bei Grundentscheidungen implizieren. Die Aufgabe des Mannes ist es, Grenzen zu setzen (väterliche Grenzaufweisung) und Konsequenzen bei Fehlverhalten durchzusetzen.
Der weibliche Archetyp wird durch die Gottesmutter unvergleichlich geadelt, welche die Himmelskönigin ist und Teil an göttlicher Herrschaft hat, was eine sehr herausgehobene politisch-theologische Stellung ist. Fürbitten an Sie werden unmittelbar an Gott gereicht, Sie kann für Sünder mächtig fürsprechen und hat zu Christus den engsten Zugang als die reinste Frau, die je gelebt hat. Daher ist das Christentum auch entgegen moderner feministischer Umtriebe mit einer sehr starken Frauenrolle begabt, die auf ihrem Lebensweg ihren Sohn oft entbehren und letztlich im Tod betrauern musste. Maria ist eine sehr starke und leidensfähige Frau, zu großen Opfern fähig, was die Natur der Frau besonders veredelt.[7]
Die Gottesmutter steht ganz losgelöst von dieser spezifisch weltlich-gefallenen, dunklen Ambiguität der Frau für Reinheit, Unschuld und Leidensbereitschaft. Zwar wurde die Urfrau Eva aus Adams Rippe geschnitten und ist von seinem Fleisch, ihm als Gefährten bestimmt zur Aufhebung seines Alleinseins, und entsteht chronologisch nach Adam und ist ihm auch der Substanz nach nach- und umgebildet. Ihre Rolle wird jedoch durch die die Sünde besiegende Gottesmutter bereits im Protoevangelium geadelt und damit moraltheologisch besonders hervorgehoben als die sündenfreie und reinste Gottesgebärerin, die gegenüber der Schlange im Gegensatz zu Eva unverwundbar ist. „Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nachwuchs; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen.“ (Gen 3, 15). Maria wird als Gegenbild zur ersten Eva verstanden, die im Gegensatz zu Eva ohne Sünde und vollkommen gehorsam geblieben ist. Orthodoxe Theologie lehnt die lateinische Lehre der unbefleckten Empfängnis meist ab, betont aber Mariens makellose Heiligkeit und Sündenfreiheit durch Gottes Gnade und freie Zustimmung. Die Rolle Marias wird in der Orthodoxie als präredemptiv verstanden, das heißt, sie wurde durch das vorausgreifende Wirken Christi vor Sünde bewahrt, damit sie würdig sei, Gott in Menschengestalt zu gebären. Johannes Chrysostomos sieht in ihr das „Heiligtum des Heiligen Geistes“ und „neue Bundeslade“, das heißt, sie ist das reine Gefäß, in dem Gott gegenwärtig wird. Ohne Mariologie kann es folglich keinen christlichen Archetyp der Frau geben.
Die primäre Rolle der Frau beinhaltet die Mutterrolle, Fürsorge. Die Frau ist die Königin des Hauses und der Hände, mit denen sie wohltuende Sorge und Heilung spendet. Wer erinnert sich nicht an die wärmenden Hände der lieben Großmutter, die dem kleinen Kinde wohltuend auf den Bauch gehalten wurde, um seine Schmerzen zu lindern. Durch das Urvertrauen und ihre Liebe hindurch wirken wahre Wunder. Die Hände der Frauen sind Kulturschöpfer, verschönern das Leben und ermöglichen es erst in unmittelbar einleuchtendem Sinne. Dies gehört auch noch zum christlichen Frauenbild: Alle Sorge um das Leibliche, um das Häusliche und Heimliche im doppelten Sinne. Es ist auch das im Verborgenen Geschehende, die unsichtbaren Hände, die wundersames Wirken und wenn es nur mal ein Kuchen ist. So kann das Weibliche auch ein Ruhepol sein, ein Ausgleich zum wütenden Sturm faustischer Tatkraft und ungebrochenen Wollens. Auch das Singen und Wiegen in den Schlaf, die Obhut und schlichte wie einfache und vollkommene Präsenz der Frau mit Seele und Leib, die Integralität ihres ganzheitlichen Seins sind Besonderheiten ihres Wesens. Idealerweise lebt die Frau im Einklang mit ihren feinsinnigen Gefühlen und Intuition, einer gesunden Erdanbindung, einem tellurischen Sinn für das Verwachsene und Bleibende, das immer schon Dagewesene, das ewige Geben und Nehmen von Leben auf dieser Welt, die Geburts- und Todeswehen, das freudige Lächeln und wehmütige Klagen, die ritualisierte Trauer der Klageweiber. Diese vielseitigen Motive sind allesamt auch christlich vermittelbar, nur eben nicht absolut gesetzt, sondern unter der Herrschaft des Männlichen, der sich dies Weibliche (dieses so sein lassend und nur das Toxische unterbindend) zu eigen macht im Sinne von eigener Verantwortungsübernahme für das Weibliche. Die Frau hegt so wohltuende Sorge, bringt Heilung und dient als Ruhepol der Familie und des Mannes. Zudem ist sie der emotionale Seismograph der Familie und vermittelt dem Mann feinfühligere Einsichten in sozialen Beziehungen und Konflikten. Sie soll ihr Wesen idealerweise im Einklang mit ihren feinsinnigen Gefühlen und Intuitionen leben. Die christliche Orthodoxie bietet durch diesen Archetyp eine Soziallehre, die die Frauenrolle in ihrem Eigenrecht berücksichtigt, und lehnt es ab, die Frau nach maskulinistischen Maßstäben zu beurteilen.
Im gefallenen Zustand neigt die weibliche Natur jedoch zu Solipsismus, Emotionalismus und Opportunismus. Dies manifestiert sich in der Neigung, sich gegen natürliche Ordnungen aufzulehnen und Ressourcen, Anerkennung sowie sozialen Status unter Opferung ethischer Maximen zu maximieren, was letztlich als Feminismus bezeichnet werden kann. Frauen haben den besseren häuslichen Ordnungssinn und gewisse Pragmatik der Lebensnähe, daher auch die Aufgabe der Kindesernährung und Obhut, emotionaler Fürsorge für Kinder und deren leiblich-seelisch ganzheitlicher Liebe. Meist ist die Liebe der Frau aber abgesehen von der Kindesliebe weniger opferintensiv und schlicht egoistisch an die Satisfaktion eigener Emotionen gebunden Daher benötigt die Frau die männliche Wahrheitskonfrontation und Orientierung. Wahrheitskonfrontation beinhaltet im Detail:
1. Klare objektive Distinktion, Diktion und Verteidigung der Wahrheit: Der Mann soll die Wahrheit klar, objektiv und unmissverständlich erkennen, artikulieren und verteidigen, ohne sich durch die weiblichen Reize verführen zu lassen und seine objektiven Prinzipien aufzuweichen.
2. Vermittlung der Wahrheit an die Frau: Dies beinhaltet die direkte Weitergabe, explikative und pädagogisch sinnvolle, d.h. adressatengerechte Vermittlung und Darlegung der Wahrheit an die Frau.
3. Rationale Welterklärung: Die Konfrontation schließt die rationale Welterklärung ein, welche auch die psychische Innenwelt der Frau betrifft und somit mit seiner Rolle als Seelenführer zusammenfällt.
4. Orientierungsgabe und Führung: Die Führung des Mannes ist aus der Wahrheit moraltheologisch gerechtfertigt. Diese Berufung ist auch bibeltheologisch durch die entsprechenden Lehren von Paulus gegenüber Frauen in der Kirchengemeinde gedeckt.
Diese Wahrheitskonfrontation ist primär durch väterliche Grenzaufweisung in der Tonalität verständnisvoller Liebe im Geiste einer Correctio fraternalis und didaktischer Lehre geprägt. Dies impliziert auch aktives Grenzen-Setzen und – soweit legal möglich – durchzusetzen gegenüber der Frau, bzw. eine konsequente Distanzierung bei nicht korrigierten und entschuldigten Fehlverhalten. Dem Mann ist hierbei im Westen jeder gesellschaftliche und rechtliche Rückhalt genommen worden. Es gibt keine institutionelle Absicherung seiner Herrschaft als Pater familiaris mehr, als welcher er sich im Gros auch lange nicht mehr verhält, somit in gewisser Hinsicht durchaus zurecht als Sanktion seines Abfalls von der göttlichen Ordnung. Der Mann muss sich jedoch keinen Respekt verdienen im Sinne eines kontraktualen Dienstleisters, der soziale Transaktionen leistet. Grundsätzlich hat die Frau ihren Mann bedingungslos zu lieben gemäß dem Ehegelöbnis und Treueschwur, den die Orthodoxe Kirche sogar bis in Ewigkeit nach dem physischen Entschlafen der Seele ausrichtet! Dafür gibt es den Bund der Ehe, der die Sozialvertragsnatur, das natürliche Bargaining der Geschlechter-Opportunismen einfängt und terminiert. Es gilt dem Europäer, diese konkrete Lebensordnung eines gesunden Ehe- und Familienlebens wieder zurück zu erringen, aber im Einvernehmen mit in Mikrokosmen aufgenommenen Zirkeln einer Art Parallelgesellschaft, aus der dann eine neue Ordnung erwachsen kann.
Die männliche Wahrheitskonfrontation dient daneben als Orientierungsgabe auch für die zur Entlassung der Frau in die Welt freigegebene Tochter, die sich dann einem anderen Mann vertrauensvoll und freiwillig untergeordnet weiß.
IV. Das geordnete Geschlechterverhältnis und die Liebe
Das Geschlechterverhältnis ist eine ausgewogene Polarität, in der Gegensätze unter der Führung des Mannes komplementär sind. Liebe ist dabei weit mehr als eine primär willentliche Entscheidung; analog zum sakramentalen Gnadenerlebnis von Taufe und Eucharistie im Kindesalter sie ist ein freiwilliges, noetisch-natürliches Sich-Hinein-Begeben in eine mystische, geistig-leibliche, ewige Vereinigung. Liebe wird so als wechselseitige Dienerschaft und Selbstaufgabe bis hin zum ultimativen Lebensopfer definiert. Die Frau gibt sich idealerweise als Gegenstand und Ausrichtungspunkt männlicher Liebe hin, wodurch sie zu seinem erweiterten Eigentum wird: die beiden werden „ein Fleisch“. Das Konzept des „erweiterten Eigentums“ ist eng mit der Dynamik von Dominanz, Führung und dem psychologischen Bedürfnis der Frau nach Schutz und Stärke verbunden. Diese „Besitznahme“ und Dominanz impliziert jedoch nicht Willkür, sondern klare Vorgaben und Führung, die immer auch auf die individuellen Bedürfnisse der Frau, auf deren archetypische Ausprägung eingeht – sei sie nun eher sorgend-nährend, ordnend-strukturiert oder künstlerisch-kreativ in ihrem Wesen verlangt. Den Mann trifft die Verantwortung, die Frau mitzunehmen, indem er ihre persönliche Lage, lebensgeschichtliche Prägung und Empfindsamkeit, ihr Grundgefühl der Lebenswahrnehmung zu erkennen und berücksichtigen lernt, was ein lebenslanger, der Ehe aufgegebener Prozess des Wachstums in den göttlichen Gnaden des gelebten Ehesakraments und geistlichen Lebens ist. Die Beziehung wird als ausgewogene Polarität verstanden, in der die geschlechtlichen Gegensätze unter der Führung des Mannes komplementär wirken und sich nicht abstoßen. Das männliche Prinzip muss die Initiative übernehmen, entscheidungssicher sein und in Rücksprache und Rücksicht mit dem Weiblichen dieses in sich integrieren, um es auf Gott hin auszurichten. Im durchaus ganz alltäglichen Familienhaushalt ausgelebten Bund der Ehe fängt diese Einheit die natürlichen Dynamiken des Opportunismus ein. Die Frau steht innerhalb dieser Einordnung hierarchisch über den Kindern und immer der erste Fokus und Orientierungspunkt männlicher Aufmerksamkeit.
Die Frau sehnt sich danach, sich im positiven Sinne über- und bemächtigt, kontrolliert und in ihren Motivationen gewusst, aber auch zugleich gehütet und umsorgt zu wissen. Sie schöpft Vertrauen aus dem Gefühl der Übermacht und Stärke des Mannes, welche erst Hingabe naturbedingt ermöglichen. Abwertung ist natürlich schlecht, geschieht auch oft wenn die Frau den Mann abwertet und disrespektiert, sein gesundes Ego destruiert, aber auch bedingt durch ein schwaches Selbstbewusstsein und Identität des Mannes von sich aus. Das Geschlechterverhältnis ist eine sehr sensible und störanfällige Dynamik. Zu viel Weichheit und Zärtlichkeit entspricht einerseits nicht dem männlichen Wesen, andererseits nicht dem weiblichen Anforderungsprofil. Daher kommt es auf eine ausgewogene Polarität an. Die Frau will sich über- und bemächtigt im positiven Sinne wissen, sobald sie vertrauen kann, was wiederum dialektisch insofern sich verhält, dass sie erst durch das Gefühl der Übermacht und Stärke Vertrauen schöpfen kann.[8]
Die Liebe der Frau kann in der Grausamkeit der gefallenen Welt durchaus bedingt sein und die Einhaltung männlicher Eigenschaften als eine Art natürlich-wesenhafter checks and balances erzwingen, im Falle ihrer Regeneration auch mit Illoyalität und Hostilität sanktionieren. Doch dienen selbst diese Übel und das Böse des weiblichen Liebesentzugs- sowie Verlustes wiederum der Restitution natürlicher Ordnung durch eine Rekapitulation des männlichen Archetyps aufgrund der gegebenen Negativanreize. Die »Ein-Fleisch-Werdung« von Mann und Frau bedeutet insgesamt die totale, existenzielle Vereinigung in Liebe und Opferbereitschaft, in der die Frau die Führung des Mannes annimmt, um in der Geborgenheit seiner Stärke und klaren Vorgaben, in der Schutzhülle des männlichen Eigentums ihre weibliche Natur entfalten und ihre Wohlordnung ihrer Seelenkräfte finden zu können. Die tiefe, verstandsmäßig nicht greifbare Wahrnehmung, die etwa von anderen matriarchalen Metaphysika der Frau aufgrund ihrer Erdangebundenheit, intuitiven Feinsinnig- und Übersinnlichkeit zugewiesen ist, ist in der Orthodoxie erfasst als die vom Mann prinzipiell bestimmte noetische Gottesbeziehung, wiewohl manche Frau da sicher zu besonderer Leidensfähigkeit im geistlichen Leben (unter der theologischen Lehrhoheit und in der Nachfolge des Lebensvorbilds der Kirchenväter) begabt ist, woran sich erneut das Spektrum der Archetypen erweist. Frauen haben entgegen Neopaganismen und sonstiger fernöstlicher Spiritualismen schlicht keine primäre spirituelle Führungsrolle wie im so irrationalen wie chaotischen Hexen- oder Seherinnenkult. Komplementär wird die zwischengeschlechtliche Beziehung dann, wenn beide Geschlechter ineinander gekehrt sind, aufeinander eingehen und Rücksicht wie Zärtlichkeit im Umgang miteinander üben, ungeachtet der teilweise notwendigen Härte des Mannes bei Grundentscheidungen des familiären Lebens und Führungsübernahme. Die Frau hat dann dieser Richtungsvorgabe des Mannes nachzufolgen, sie in der familiären Hierarchie weiterzureichen und dadurch dessen Rücken zu stärken, um die in der Monarchie des Vaters im familiären wie letztendlich trinitätstheologischen wurzelnden Einheit der Familie zu wahren.
Frauen dienen Männern vice versa. Eheliche Liebe ist wechselseitige Dienerschaft und Selbstaufgabe bis hin zum Lebensopfer, die wiederum dazu dient, sich einander auch wirklich existentiell als ganz Aufopferungsbereite hinzugeben im Liebesakt. Die erotische Liebe ist eine hohe Ausdrucksform und existentielle, leiblich, seelisch wie geistige Vertiefung dieser Agape, im entfernten Sinne ähnlich zu der binnentrinitarischen Energiemanifestation der drei Personen in ewiger Liebesbeziehung zueinander, wenngleich befreit von aller körperlichen Bildlichkeit und deren weltlichen Inferioritäten und Begrenzungen. Diese männlich-weibliche Liebe ist eine enge Umschlungenheit der Seelen, eine tiefe, unaussprechliche Verbundenheit im unsichtbaren Blick der Augen des Herzens. Sobald Kinder im Spiel sind, ändert sich natürlich ein wenig der Fokus der Ehe, allerdings steht die Frau hierarchisch über den Kindern und immer erster Fokus männlicher Aufmerksamkeit. So bleiben die Kinder auch sozial und ihrer demütig auszufüllenden untergeordneten Rolle im Familiengefüge bewusst. Die Kinder verhalten sich analog zu den Gläubigen im Verhältnis zu Christus und Kirche als Bräutigam und Braut, eine Strukturparallele gewissermaßen. Mann, Frau und Kinder stellen so eine Einheit in Dreiheit dar – strukturell auch noch entfernter vergleichbar mit der trinitarischen Dreieinigkeit, derzufolge jede heilsökonomische Wirkung vom Vater aus-, durch den Sohn hindurch geht, um dann im Geist ruhen. Analog gibt es die „aufsteigende“ Bewegung (Aszendenz) der Anbetung und Gnade zurück zum Vater durch den Sohn im Geist. Diese doppelte Bewegung ist Ausdruck der heilsökonomischen Dynamik.[9] Diese heilsökonomische Dynamik kann als Orientierungshilfe für die binnenfamiliäre Liebesbeziehung dienen, darf aber den ontologischen Abstand zwischen Gott und der Schöpfung nicht verwischen oder relativieren und nicht der Gefahr erliegen, bestimmte weltliche Herrschaftsmodelle trinitätstheologisch zu verewigen.[10]
V. Abgrenzung von heterodoxen und zyklischen Weltbildern
Das orthodox-christliche Geschlechterbild grenzt sich fundamental von Weltanschauungen ab, die auf zyklischen oder pantheistischen Metaphysiken beruhen. Der Pantheismus entstand im Westen unter anderem durch die Philosophie Spinozas, der die Unterscheidung zwischen einem jenseitigen Gott und der diesseitigen Schöpfung verlor (deus sive natura), was zur Vergöttlichung von Welt und Natur führte.[11]
Christliche Orthodoxie lehnt die Vergöttlichung weiblicher Sexualität und biologischer Zyklen, wie sie in heidnischen Kulten oder im Neuheidentum (Gaja Kulte, Witchcraft-Trend) auftritt, ab. Solche zyklischen Metaphysiken – zu finden im Taoismus, Neuplatonismus, Hermetik oder asiatischen Religionen – basieren auf der Idee ewiger Kreisläufe, Reinkarnation und einer unendlichen Wiederholung. Diese zyklischen Systeme können Immanenz nicht wirklich mit Transzendenz vermitteln und bieten keinen erlösenden Ausbruch aus dem Diesseits. Im Gegensatz dazu integriert die orthodoxe Tradition Naturzyklen und liturgische Wiederholungen (Bedeutende Ereignisse des die Heilswirklichkeit rekapitulierenden Kirchenjahrs, diese achtende Fastenzeiten) nicht als Wiederkehr des Immergleichen, sondern als Vergegenwärtigung des einmaligen Heilsereignisses Christi und zeitlich-endliche Vorbereitung des Menschen hierauf und seinsmäßige Vereinigung desselben hiermit. So dient die vorösterliche Fastenzeit etwa zur Vertiefung der Kreuzträgerschaft des Menschen und dessen Erlernen der zur Erlösung vom sündigen Fleisch notwendigen Askese, der Geübtheit im geistlichen Kampf. Das Heilswerk kann insofern ekklesiologisch so verstanden werden, dass die Kirche als in der Geschichte materialisierter Leib Christi das Werk ihres Gründer immer wieder liturgisch-rituell über die zyklische Zeit des wiederkehrenden Kirchenjahrs mitvollzieht und dadurch in die eigene ‚DNA‘ vertiefend einschreibt bis zum Ende aller Zeiten, an dem die höchste Bewährung den Gläubigen dieses Leibes angefordert wird. Die Zyklizität des Kirchenjahres hat somit neben dem rituellen auch einen pädagogischen Zweck.
Die Orthodoxie bietet über die Energienlehre eine Begriffsbildung, derzufolge Gott die Schöpfung durchwirkt, was es dem Menschen erlaubt, die Natur in Hege und Pflege zu bewahren, ohne sie zu vergöttlichen und dieses Verhältnis adäquat zu denken, um es auch in Wirklichkeit mit Leben zu füllen. Das orthodoxe Seinsverständnis wurzelt in der Trinität (Vater, Sohn, Heiliger Geist), die ewige, personale Gemeinschaft jenseits von Zeit und Raum ist. Eine zentrale Dogmatik, die die Orthodoxie vom römischen Katholizismus unterscheidet, ist die theologische Unterscheidung von Essenz (Wesen) und Energie in Gott. Eine Geringschätzung der auch weiblichen Natur ist demnach nicht möglich, weil die gesamte Schöpfung demnach als von den unerschaffenen göttlichen Energien durchdrungen angesehen wird.
Das orthodoxe Patriarchat bedeutet an keiner Stelle eine moralische oder ontologische Abwertung der Frau als eines inferioren Geschöpfes. Die Renovatio der Geschlechterordnung muss bei jedem Einzelnen und seiner primär geistlichen Lebensführung ansetzen. Sie wird von moralischen Erwägungen von Gut und Böse angetrieben, die konsequenterweise zur Gottessuche führen, da der sich abgestoßen fühlende Einzelne instinktiv das Böse am Werke dieser Welt spürt. Die christliche Renovatio der Geschlechter erfordert die Wiedererringung einer konkreten Ordnung, idealerweise in Mikrokosmen von Parallelgesellschaften, aus denen eine neue Ordnung erwachsen kann. Die Wiedererlangung einer gesunden Geschlechterbeziehung bedingt die Anerkennung, dass Liebe in ihrer höchsten Form Hingabe, Dienst und Opfer bedeutet, was untrennbar mit Schmerz, Anstrengung und Leid verbunden ist. Die Konfrontation mit Leid ist seinsmäßige Notwendigkeit in der gefallenen Welt und zugleich der Leidensweg des gekreuzigten Gottes, der uns das Vorbild für die eigene Erlösung bietet. Der gemeinsame Weg beider Geschlechter ist folglich auch ein gemeinsamer, hälftig geteilter Leidensweg, weswegen die Kronsymbolik von Braut und Bräutigam in erster Linie deren beider- und wechselseitige, lebenslange Aufopferungsbereitschaft veranschaulicht, der Beziehung von Bräutigam Christus und Braut Kirche strukturell nachempfunden.
[1] Unklar bleibt dabei aufgrund des wohl bewussten Changierens zwischen strategischer Begriffsbesetzung und partikularistischer Fraueninteressendurchsetzung, wie der Begriff des rechten Feminismus zu verstehen ist.
[2] Laut Aussage der Gründerin Reinhild Boßdorf soll die Gruppe sich an Herschel als Vorbild orientieren, weil diese „keine Quotenfrau“ gewesen, sondern aus eigener Leistung bekannt geworden sei. Herschel war eine deutsch-britische Astronomin, die mehrere Kometen entdeckte und als erste Frau in England eine wissenschaftliche Anstellung erhielt.
[3] Dieser Naturalismus ist radikal enttheologisierend: Die Götter existieren zwar als glückliche, unsterbliche Wesen, aber sie greifen nicht in die Welt ein; Wunder, Orakel, göttliche Strafen sind Projektionen menschlicher Angst. Die Religion wird als Quelle des Übels diagnostiziert: „Unter der Religion gewaltsam niedergetreten“ lebt der Mensch, solange er die Natur nicht kausal begreift. Die Natur folgt ihren eigenen Gesetzen; sie ist weder providentiell geordnet noch teleologisch strukturiert. Kosmologie, Biologie und Kulturgeschichte werden als Ergebnis von Zufall, Notwendigkeit und allmählicher Evolution erklärt, nicht als göttliche Stiftung.
[4] Wunder und göttliches Eingreifen werden rational aufgelöst; dem Tod wird seine Schrecklichkeit genommen durch die Versicherung, dass mit ihm das empfindende Subjekt aufhöre zu existieren.
[5] Lukas Courtial kritisiert Lukreta als öffentliche Repräsentantin eines „rechten Feminismus“, der durch gezielte Sexualisierung und medienwirksame Porträtierung fleischfreundlicher Damenmode junge Männer in ihrer Willensstärke schwäche, um sie für eigene Zwecke gefügig zu machen. Er sieht darin eine Kernideologie der neuen Rechten, die statt eines echten katholischen Patriarchats lediglich die manipulative Macht der Frau maximiert und lustgeknechtete Männer durch eine manipulative „Zickenmentalität“ kontrolliert. Letztlich wirft er diesen Strukturen vor, die männliche Autorität zu untergraben, da die Männer aufgrund ihrer Schwäche unfähig seien, sich gegen die weibliche Dominanz und die instrumentalisierte Sexualität durchzusetzen. Courtial betrachtet Lukreta nicht als zu radikal, sondern als zu halbherzig und inkonsistent in ihrer Verteidigung traditioneller Geschlechterordnungen. Für ihn ist der Versuch, Frauenrechte mit völkisch-nationalistischer Rhetorik zu verbinden, polit-strategisch klug, aber metaphysisch und theologisch unzureichend begründet. Er lehnt den Feminismus in jeder Form ab, weil er ihn als Zerstörung der von Gott gewollten hierarchischen Ordnung zwischen Mann und Frau ansieht. Lukretas Berufung auf „starke Frauen“ wie Caroline Lucretia Herschel interpretiert er als säkulares, modernes Leistungsdenken, das der christlichen Demut und der Unterordnung der Frau unter den Mann widerspricht. In seinen Videos und Texten argumentiert Courtial, dass Frauen nicht studieren, nicht karrieristisch oder nicht politisch aktiv sein sollten, weil dies ihrer natürlichen Bestimmung als Mütter und Ehefrauen entgegenstehe, sondern vielmehr die natürliche Rebellion der Frau gegen den Mann noch potenziere bzw. sublimiere. Die von Lukreta betriebene Instrumentalisierung von Frauenrechten zur Rechtfertigung von Rassismus und Islamfeindlichkeit hält er für taktisch nützlich, aber inhaltlich verfehlt, weil sie nicht auf die Wiederherstellung der christlichen Familie, sondern auf säkulare „Sicherheit“ (Pax et securitas sind Signien des Antichristen) und systemische Leistungsfähigkeit zielt. Courtial wirft Lukreta vor, den Feminismus nur zu mimikrieren, um Anschlussfähigkeit zu gewinnen, statt die patriarchale Ordnung offen und theologisch wahrheitsfundiert zu verteidigen. Seiner Ansicht nach kann es keinen „Feminismus von Rechts“ geben, weil Feminismus per Definition die Aufhebung der natürlichen Geschlechterhierarchie anstrebt, während die rechte Ordnung diese Hierarchie bewahren will. Die von Lukreta propagierte „Wehrhaftigkeit“ der Frau gegen „fremde Gewalt“ lehnt er ab, weil sie die Frau in die Rolle der Kämpferin drängt, statt sie unter den Schutz des Mannes und der Familie zu stellen. Courtial sieht in Lukreta eine säkularisierte, modernisierte Form des Antifeminismus, die die christliche Metaphysik der Geschlechterordnung aufgegeben hat und damit letztlich den Feminismus stärkt, statt ihn zu überwinden. Seine Kritik lautet daher nicht, dass Lukreta zu rechts ist, sondern dass sie nicht radikal genug in der Wiederherstellung der traditionellen, von Gott gewollten Ordnung ist. Der „Rechtsfeminismus“ Lukretas ist für Courtial ein Widerspruch in sich, weil er die Sprache des Feminismus benutzt, um eine Ordnung zu verteidigen, die der Feminismus zerstören will, ohne die theologischen Grundlagen dieser Ordnung zu benennen. Der Generalvorwurf Courtials geht dahin, Lukreta als eine Gruppe zu skizzierren, die den Feminismus taktisch instrumentalisiere, aber die christlich-patriarchale Alternative nicht konsequent denkt und somit letztlich im modernen säkularen Denken verhaftet bleibt.
[6] Siehe Carl Schmitt, Römischer Katholizismus und politische Form, 2. Aufl. 1925, S. 10.
[7] Bei Dostojewskis lesen wie mehr über diese großartigen christlich-idealen Frauenfiguren, die für ihre oft sündigen tragisch gefallenen Männer ihren Komfort, Sicherheit und gesellschaftliche Normenkonformität opfern entgegen ihre adaptiven und konformistischen Instinkte der gefallenen Natur, um ihren Mann zu begleiten und ihm nachzufolgen, sogar bis in die sibirischen Arbeitslager, in denen Sonja die Schwerstverbrecher alle gleich gütig behandelt und zu einer geliebten Lagerfrau wird, die 7 Jahre für ihren Mann dort ausharrt. Dostojewski ignoriert indes nicht die brutale Kehrseite dieser idealisierten Frauenbildes: Seine Frauenfiguren sind extrem ambivalent, in der reinsten Güte liegt zugleich ein brutaler Instinkt verborgen. Sonja verliebt sich in den zweifachen Mörder Raskolnikow, gerade weil er ein Outlaw ist, ein mysteriöser, hochintelligenter, freigeistiger Einzelgänger mit festen Prinzipien und eigenen Gedanken, mit Mordbereitschaft für seine – wenn auch amoralischen – Idee eines napoleonischen Katalysationsaktes der Selbstbefreiung von allen Moralgesetzen durch einen kaltblütigen Mord.
[8] Analog dazu verhält sich die Entstehung von politischer Macht. Sie braucht Konsens der Untergebenen gegenüber dem Machthaber, zugleich ruft dessen bereits bestehende Macht diesen Konsens bereits hervor, ist also ein wechselseitiger, dynamischer Prozess mit einem Rest an Mysterium. Sympathie entsteht ja auch Großteils unterbewusst und instinktiv.
[9] Die Vorstellung, dass Mann, Frau und Kinder eine Einheit in der Dreiheit bilden, ist indes eine homiletisch-(negativ-)theologische Figur, die sich an biblischen Bildern orientiert, aber in apophatischer Manier nie das Transzendente der göttlichen Dreiheit eins zu eins abbildet. Wir bewegen uns hier im Bereich des Symbolismus und der Ikonentheologie, wenn es um die Übertragung göttlicher Urbilder auf menschliche Nachbildungen geht
[10] Ein analoges Problem hierzu ist im Rahmen der politischen Theologie der Monarchie als politischer (staatlicher) Herrschaftsform angezeigt.
[11] Spinoza zog dabei bestimmte unheilige Konsequenzen aus der scholastizistischen Gotteslehre. Der zentrale Mechanismus, der zum Pantheismus führte, war die theologische Gleichsetzung von Gottes Attributen, Willen und Wesen mit der Schöpfung:
1. Notwendigkeit der Attribute: Spinoza postulierte die Notwendigkeit von Gottes Attributen und deren Identität sowohl miteinander als auch mit seinem Willen
2. Unfreier Schöpfungsakt: Wenn dieser Wille sich in der Schöpfung aktualisiert, führt dies zur Konsequenz eines notwendigen, nicht mehr freien Schöpfungsaktes
3. Identität von Schöpfung und Wesen Gottes: Dieser notwendige Schöpfungsakt wird als identisch mit dem göttlichen Wesen samt allen Attributen und Willen betrachtet, da diese alle identisch miteinander sind. Gott ist dann ganz in die Schöpfung hineingeholt und geht in dieser auf.
Es tritt ein Verlust der Unterscheidung von Gott und Welt ein mit der Konsequenz deren Vergöttlichung. Die direkte Folge dieser Identität ist der Verlust der transzendenten Jenseitigkeit Gottes. Er verliert seine Jenseitigkeit bzw. die klaren Unterscheidungen von weltentrückt jenseitigen Gott und diesseitiger Schöpfung. Dies bestimmt den Pantheismus, der die Göttlichkeit von allem Seienden bedeutet, also auch der Welt und Natur. Die von Goethe verehrte Formel Spinozas lautete daher nicht ohne besonderen Grund: deus sive natura (Gott oder Natur). Die Vorstellung von einer beseelten Natur, wie sie bei Giordano Bruno auftauchte, kann als eine Folge dieses Pantheismus betrachtet werden, wobei Bruno wie Spinoza auch ein Neoplatoniker war. Ein zentraler Grund, warum sich dieser Pantheismus im Westen geistesgeschichtlich etablieren konnte, war das Fehlen der orthodoxen christlichen Theologie, die eine andere Erklärung des Verhältnisses von geschöpfter Welt und Gott selbst bereitstellt. Die Orthodoxie vermag die Beziehung zur Natur über die Energienlehre zu konzeptionalisieren. Demnach durchwirkt Gott durch seine Energien die Schöpfung und Natur und haucht ihr Leben ein. Diese Lehre, die die Unterscheidung von Essenz (Wesen) und Energie in Gott vornimmt, fehlt allerdings im Westen und hätte verhindern können, dass Gott ganz in die Welt hineinverlegt wird.




