
Was ist das eigentlich, „SINN“?
Manchmal kann man sich schon wundern über das Leben.
Es gibt Situationen, da fängt man an, nachzudenken: Was soll eigentlich das alles, ist denn das die ganze Mühe wert? Was ist „der Sinn des Lebens“? Hat es einen Sinn? Was soll ich da noch?
Man kommt etwa ins Grübeln, wenn man es einmal sehr schwer hat, Lebensschmerz fühlt. Und jeder junge Mensch, jeder Heranwachsende, verfällt ins gleiche Nachdenken, wenn er seinen Platz im Leben sucht.
Sinn. Was ist das überhaupt, „Sinn“? Es ist ja nicht dasselbe wie „Zweck“. Ein Werkzeug etwa, das hat einen bestimmten Zweck. Eine Schaufel z. B., oder eine Schere: alles was ein Werkzeug ist, hat einen Zweck. Aber ein Werkzeug hat keinen „Sinn“. Wenn ich einen Brief bekomme, dann ist ein Zweck damit verbunden, etwa der, mich dazu zu veranlassen, aufs Postamt zu gehen und ein Paket abzuholen. Aber nur in dem, was im Brief steht, im Inhalt, liegt ein „Sinn“. Der Gegenstand Brief selber ist bloß der Träger dieses „Sinns“.
Auf dem Brief sind Schriftzeichen. Sehe ich sie mit einer starken Lupe an, dann erkenne ich ein paar schwarze Krümel auf einer zerklüfteten Zelluloselandschaft, das sind die Buchstaben. Sie sind aus lauter schwarzen Krümeln zusammengesetzt. Die schwarzen Krümel auf dem Papier ergeben einen Sinn, etwa ein großes „A“. Und die Reihe der Buchstaben ergibt ein Wort, etwa „Amt“. Das Wort, und erst recht der Satz aus allen Wörtern in dem Brief haben „Sinn“, sie haben eine Bedeutung. Hat etwas Sinn, dann hat es Bedeutung.
Nur ein geistvoller „Jemand“ verleiht Sinn.
Ein schwarzes Krümel auf dem weißen Papier, das hat zunächst keinen „Sinn“. Wie kommt dann der Sinn in die schwarzen Krümel, die zusammen Buchstaben und Wörter bilden? Jemand hat ja den Brief geschrieben, er hat dieser ganz bestimmten Anordnung von Bleistiftkrümeln den Sinn gegeben, ein „A“ darzustellen. Aha, weiß ich, das ist der Laut, bei dem man den Mund ganz weit aufmachen muß.
Damit erkennt man: es muß einen „Jemand“ geben, damit Sinn entsteht, nur ein „Jemand“ kann Sinn verleihen. Das kennen wir von der Schule her: „Was will uns der Dichter damit sagen?“ Der Schöpfer des Gedichtes hat also eine Aussage in das Werk hineingelegt, eine Bedeutung, einen Sinn.
Hätte ein Schimpanse mit dem Bleistift hantiert, dann wären vielleicht auch ein paar Striche aus schwarzen Krümeln auf das Papier gekommen, aber sie hätten keinen Sinn getragen, sinnlose Krakel.
Nur ein Urheber, der Geist hat, ist imstande, irgendeinem Gegenstand einen Sinn zu geben. Ganz aus sich selbst heraus kann kein Objekt „Sinn“ haben.
Der geistvolle Schreiber verleiht also Sinn willkürlich, ganz nach seinem Willen: „Das soll ein ‚A‘ sein, und das ein ‚E‘ “. Der Sinn eines Gegenstandes ist also vom Urheber, vom Sinngeber abhängig, er ist subjektiv. Der Sinngeber kann ganz willkürlich den Sinn bestimmen, etwa den Inhalt des Briefes.
Geist ist etwas Einzigartiges, es ist durchaus nicht selbstverständlich, daß ein biologisches Wesen, der Mensch als „nackter Affe“, Geist entfaltet hat. Man könnte sagen, der menschliche Geist sei etwas Über-Natürliches, wenn er nicht als Teil des Menschen selbst dem Reich der Natur angehörte. Die Wissenschaft hat aber bis heute nicht zu sagen vermocht, was „Geist“ denn nun eigentlich ist, woher er kommt und wie er auf das biologische Geschehen im Körper einwirkt, so daß Gedanken und andere Werke des Geistes entstehen.
Wenn man nach dem „Sinn des Lebens“ fragt, dann fragt man also danach, ob ein geistvoller Urheber unserem Leben einen Sinn, eine Bedeutung zugewiesen hat, und welche. Vielleicht ein „Gott“?
„GOTT“, das ist „GEIST“!
Die Kultur des Abendlandes beruht auf dem Christentum, in Verbindung mit dem Geist und der ursprünglichen Kultur der europäischen Völker. Vor allen anderen Religionen zeichnet es sich dadurch aus, daß diese Lehre deutlich sagt, definiert, was denn das überhaupt sein soll, „Gott“, also das höchste Prinzip. Wie könnte man „glauben“, wenn man nicht gesagt bekommt, was das eigentlich sein soll, an das man „glauben“ soll.
Im tiefsten der überlieferten Evangelien, dem Johannes, steht deutlich: „Gott“, das ist „Geist“ (Joh. 4,24). Der höchste Wert des Christentums ist also identisch mit dem geistigen Prinzip in der Welt, so ultimativ hochstehend, daß dieser Geist als „heilig“ gilt, als Eigenschaft des alten Begriffes „HEIL“. Dieser Geist lebt nach der Lehre in uns selbst, er ist in uns, wichtiger Bestandteil des Menschen (Joh. 14, 16f.). Es gibt im Christentum keine „Kluft zu Gott“ (Matt. 27,51), zum Geist Gottes. Daher ist unser Geist, der menschliche Geist, nach der christlichen Lehre ein Anteil des „Heiligen“ Geistes, des allgemeinen Prinzips „Geist“ in der Welt. Hegel nennt es den „Weltgeist“. Und mit diesem Geist, dem menschlichen Anteil davon, sind wir imstande, dem Leben einen Sinn zu verleihen.
Wer mit der Lehre des Christentums nicht so viel anfangen kann (i.a. wegen der politisch-sozialen Verfehlungen der allzu menschlichen, politischen Institution Kirche), für den gilt umso mehr, daß der Sinn des Lebens von unserem eigenen Geist gegeben werden muß.
Auch hier gilt, daß kein Ding der Welt Sinn, Bedeutung haben kann, wenn nicht ein geistiges Wesen ihm diesen Sinn aufgeprägt hat. Aus sich selbst heraus hat also das Leben des Menschen einfach keinerlei „Sinn“. Und: Wir können den Sinn unseres Lebens in Freiheit wählen, unter unendlich vielen Möglichkeiten!
Um zu einer Entscheidung zu kommen, überlegen wir, wie denn andere Wesen leben, die nicht imstande sind, Sinn zu verleihen, weil sie eben keine Fähigkeiten dazu haben.
Wie lebt eine Wildkatze, eine Schildkröte? Sie lebt, wie es ihnen gegeben ist, katzenmäßig; und die Schildkröte lebt nach der Art der Schildkröten. Sie leben ihr Leben instinktgeleitet mit dem unbewußten Ziel der Selbsterhaltung und Arterhaltung. Auch wir, ohne besonders darüber nachzudenken, führen unser Leben, als hätten wir seinen Sinn schon definiert, und wir stellen zumeist das Handeln über das Nachgrübeln. Dann leben wir nach den Voraussetzungen, die durch das ureigene Wesen des Menschen abseits vom Geistigen bestimmt werden.
Sicherlich ist es auch für den Menschen am besten, er solle sein Leben gemäß den Eigenschaften ausrichten, die ihn ausmachen, also menschengemäß leben; danach, was der Mensch tatsächlich darstellt, einschließlich seiner geistigen Dimension. Wer eine davon abweichende Sinnbestimmung trifft, etwa die, die Welt, das Leben, die Notwendigkeiten des Menschen zu zerstören, der wird binnen kurzem aus diesem Seinssystem herausfallen.
Tatsächlich stimmen die philosophischen Systeme und Ideologien, die sich mit der Sinnbestimmung beschäftigen, darin überein, daß sie sich zunächst ein Bild davon machen, was der Mensch im Grunde ist; sie gehen von diesem Menschenbild aus, wenn sie den „Sinn des Lebens“ festlegen.
Jede „humanistische“ Wertordnung verfährt auf diese Weise.
Geist, Würde, Ehre führen zu Volk und Familie.
Der Mensch ist zunächst ein materielles Lebewesen wie alle übrigen auch und unterliegt damit allen Gesetzmäßigkeiten eines „genetisch bestimmten Organismus, der zu Stoffwechsel, Fortpflanzung, Reizbarkeit, Wachstum und Evolution fähig“ ist. Er muß etwa essen, trinken, schlafen, sich fortpflanzen. Wie in jedes Lebewesen ist auch in den Menschen vor allem der instinktive Trieb zur Selbsterhaltung und Erhaltung seiner Art gelegt. Zweitens hat der Mensch die Wesenseigenschaft, zu Gedanken, Ideen, Vernunft und Verstand fähig zu sein. Die Befähigung zu Werken des Geistes zeichnet den Menschen vor allem Lebendigen aus. Dies ist seine besondere „Würde“, seine Identität und seine Ehre.
Es sind diese beiden Seinsbestimmungen, die den Menschen vollständig beschreiben.
Für die Festlegung des Sinns müssen demnach diese beiden Kategorien berücksichtigt werden, die Geistigkeit des Menschen und seine Erhaltung als Individuum und als Art.
Die Fähigkeit der Vernunft, des Verstandes drückt sich in Werken des Geistes aus, die insgesamt die Kultur bilden. Der Mensch ist ein soziales Wesen, er schafft und entwickelt Kultur in einer Gemeinschaft, dem Volk. Wer erkennt, daß Geist und Kultur die Würde des Menschen bestimmen, der anerkennt die anderen Kulturen als unersetzliche und erhaltenswerte Bausteine der Weltkultur, und, er bekennt sich zu seiner eigenen Kultur. Der österreichische Dichter Hamerling sagt: „Du sollst jedes Menschen Vaterland achten, aber das deinige sollst du lieben“.
Das Leben in dieser Volks-Gemeinschaft als Träger der Kultur ist etwas sehr Befriedigendes, es bewahrt und stärkt die Identität des Individuums als die wichtigste natürliche Gemeinschaft des Menschen. Wer das Miteinander in dieser Gemeinschaft lebt, kann niemals einsam oder alleingelassen sein. Der „Sinn des Lebens“ fordert, sich zur Kultur, zur Volksgemeinschaft zu bekennen. Denn nur dann genügen wir der Entscheidung, den Sinn des Lebens darin zu wählen, den Menschen in seinen vorhandenen Eigenschaften zu erhalten.
Den Deutschen ist es selbstverständlich, daß ihre Hochkultur unausschöpfbar reich ist. Noch vor wenigen Jahrzehnten galt das Deutsche Volk in aller Welt als das Kulturvolk schlechthin. Die Deutschen sind das „Volk der Denker und Dichter“. Die großartigsten Dichter waren Deutsche, ebenso die am meisten geschätzten und bewunderten Komponisten, wie J.S. Bach, Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven u.v.a. Die deutsche Technik und Ingenieurskunst hatte verdienten Weltruf, eine große Zahl der bahnbrechenden Erfindungen der Neuzeit wurden von Deutschen gemacht: Schiffsschraube, Nähmaschine, Glühbirne, Auto, Telefon, Elektromotor, Röntgengerät, Faxgerät, Magnetophon, Fernrakete, Atomspaltung, Fernsehapparat, Nurflügel-Flugzeug, Saxophon, Hubschrauber, Düsenflugzeug, Computer, usw. Der deutsche Gelehrte wurde geradezu als Prototyp des Deutschen gesehen, die deutsche Naturwissenschaft und Philosophie („Deutscher Idealismus“ und die Gruppe um Hegel, später Nietzsche und Heidegger) sind weltweit tonangebend. Wer Wissenschaft treiben wollte, war auf die deutschen, nicht auf die englischsprachigen Fachzeitschriften verwiesen. Das deutsche Schulsystem und Universitätssystem war beispielgebend in der ganzen Welt und wurde überall nachgeahmt. Chemie und Physik waren deutsche Kern-Wissenschaften, die Synthesen von Heilmitteln und Naturstoffen, oder etwa von Kraftstoff aus Kohle waren deutsche Entwicklungen.
Der Mensch ist aber auch ein Naturwesen. Das biologische Wesen Mensch ist der Träger der menschlichen Geistigkeit, die Basis des Lebens des Geistes. Um ihn und die Kulturgemeinschaft zu erhalten und seinen täglichen Bedarf an Nahrung, Kleidung, Wohnung anspruchsvoll zu gewährleisten, ist eine an den Interessen des Volkes und des Einzelnen orientierte, freiheitliche Wirtschaftsordnung notwendig. Eine bedürfnisorientierte Wirtschaftsordnung, in der die materiellen Interessen der einzelnen wirtschaftlichen Gruppen nicht durch rituellen Kampf und am Ende gewaltsame Revolution erobert werden, sondern durch ein friedvolles Regelwerk gewährleistet sind. Und ein ordnender Staat muß eine familienfreundliche, soziale Politik treiben. Dann wird durch gesicherte Familien das natürliche Verlangen nach einer liebenden Familie mit glücklichen Kindern seine Erfüllung finden. Der bedeutende Naturforscher Linnée sah den Sinn des Lebens in unseren Kindern. Verliert ein Volk seine biologische Grundlage durch fortgesetzte Geburtenarmut, ist auch die reichste Kultur verloren.
Daher fällt es einem Deutschen leicht, den Sinn seines Lebens in der Behauptung und Weiterentwicklung seiner Kultur zu finden, also in dem bewußten Leben in der Volksgemeinschaft. Und zusätzlich im Aufbau der Gemeinschaft der Familie. Wahrhaft sinnerfüllend und beglückend stellt sich also das Leben in einer Familie mit drei oder vier Kindern dar, in der sich jeder nach seiner Lebensstufe zu seinem Volk bekennt und aktiv an der deutschen Kultur teilnimmt.




