Aus einem unschuldigen Opfer wurde ein rassistischer Angreifer gemacht! (CCTV, Public domain, via Wikimedia Commons)

Die jüngsten Veröffentlichungen brisanter Tatsachen über den Mord am 18-jährigen Henry Nowak im vergangenen Dezember lassen die britische Rechte eher verwirrt als mobilisiert zurück.

Widerwärtiges Massaker eines indischen Migranten

Die Aufnahmen sind schwer anzusehen. Die Polizei legt dem sterbenden Jungen noch Handschellen an, nachdem die Angehörigen des Mörders einen rassistischen Angriff erfunden hatten. Die britische Rechte scheint aber mit der Tat nicht recht umgehen zu können. Auf der einen Seite steht die Tatsache, dass Nowaks Mörder der indischen Religionsgruppe der Sikhs angehört. Er ist damit kein Muslim, und Britannien ist eines der letzten Länder, in denen die counterjihadistische Bewegung noch einen erheblichen Anteil der Rechten ausmacht. Diese Gruppen sehen prinzipiell kein Problem mit Masseneinwanderung, solange diese nicht muslimisch ist. Gerade die Sikhs gelten in deren Reihen als Vorzeigemigranten, die man unterstützt, um nicht als rassistisch zu gelten.

Verstörender Auftritt von Tom Robinson

Die counterjihadistische Symbolfigur Tommy Robinson leistete sich einen verstörenden Auftritt in Southampton, dem Ort des Mordes, bei dem er pakistanischen Muslimen die Schuld am Tod von Nowak gab. Nun hat England erhebliche Probleme mit seiner pakistanischen Bevölkerungsgruppe. Angehörige dieser Gruppe machen die breite Mehrheit der sogenannten Grooming Gangs aus, die englische Mädchen aus der weißen Unterschicht vergewaltigt und prostituiert haben. Aber Nowaks Mörder Vickrum Digwa war weder Pakistani noch Muslim.

Zorn auf Polizei

Jenseits der counterjihadistischen Szene richtet sich der Zorn zurzeit gegen die Polizei. In Southampton wurden Polizisten bei Protesten mit Mülleimern und anderen Gegenständen beworfen. Nigel Farage, Vorsitzender von Reform UK, sagte, die Bürger sollten mit kalter Wut auf das Verhalten der Polizei reagieren. Sein rechter Rivale Rupert Lowe von der rasant aufsteigenden Neugründung Restore Britain fordert das Verbot des Kirpan, eines zeremoniellen Dolches, für den die Sikhs eine Ausnahme von den strengen britischen Waffengesetzen genießen. Daneben fordert er die Wiedereinführung der Todesstrafe.

Erfundener rassistischer Angriff zugunsten des indischen Mörders

Wozu man so oder so stehen kann: Es liegt jedenfalls nicht im Kern des Falles Henry Nowak. Der Haupttäter hat bereits lebenslange Haft erhalten; es ist kein Fall von Kuscheljustiz. Was den Fall zum nationalen Politikum machte, war, dass die „Community“ des Mörders ihn zunächst deckte und die Polizei über einen rassistischen Angriff belog. Alles in allem lässt der Fall Henry Nowak die britische Rechte zwar wütend, aber mehr verwirrt als mobilisiert zurück.